Autogenes Training
Das Autogene Training ist eine Methode zur konzentrativen Selbstentspannung. Durch regelmäßig eingeübte Vorstellungen und Formeln soll eine tiefe körperliche und seelische Entspannung erreicht werden. Ziel sind psychovegetative Stabilisierung, innere Ausgeglichenheit und eine bessere Regulation vegetativer Körperfunktionen. Entwickelt wurde die Methode von dem Internisten, Neurologen und Dermatologen Johannes Heinrich Schultz (1884–1970).
Voruntersuchungen und Voraussetzungen
- Wichtig ist die persönliche Eignung für das Verfahren. Entscheidend sind weniger Schulbildung als vielmehr Selbstdisziplin, Ausdauer, Motivation und die Bereitschaft, regelmäßig zu üben.
- Bei Kindern kann Autogenes Training etwa ab der Schulreife eingesetzt werden.
So wird’s gemacht:
- Autogenes Training sollte vorzugsweise unter fachkundiger Anleitung erlernt werden.
- Zu den grundlegenden Übungen gehören Ruhe-, Schwere-, Wärme- und Atemübungen.
- Organübungen sollten nur unter Anleitung einer im Autogenen Training erfahrenen Person durchgeführt werden.
- Ergänzend werden kurze formelhafte Vorsätze zur Entspannung eingesetzt.
„Ich bin ganz ruhig – der rechte Arm wird schwer – der rechte Arm strömt warm – es atmet – das Herz schlägt ganz ruhig – das Sonnengeflecht strömt warm.“
Zum Abschluss einer Übung erfolgt die sogenannte „Rücknahme“:
„Arme fest – tief einatmen – Augen auf – Arme strecken!“
- Individuelle formelhafte Vorsätze sollten möglichst kurz, eindeutig und rhythmisch formuliert werden.
- Eine Übungsgruppe umfasst idealerweise etwa 10–25 Teilnehmer, maximal etwa 50 Personen.
- Als Grundlage empfiehlt sich ein mindestens zweimal wöchentlich stattfindender Gruppenkurs. Die Dauer kann je nach Konzept von etwa 30 Minuten bis zu zwei Stunden reichen.
- Besonders wichtig ist das regelmäßige Üben zu Hause – möglichst bis zu dreimal täglich für jeweils etwa fünf Minuten.
- Häusliche Übungsprotokolle können dabei helfen, Schwierigkeiten oder sogenannte Umstimmungskrisen zu erkennen. Diese sollten mit dem Übungsleiter besprochen werden.
Hinweis: Übungsleiter-Kurse werden unter anderem von der Sebastian-KNEIPP-Akademie (SKA) angeboten.
Wirkung
- Förderung einer tiefen körperlichen und seelischen Entspannung durch sogenannte „passive Konzentration“.
- Unterstützung von innerer Ausgeglichenheit und psychovegetativer Stabilität.
- Förderung von Selbstwahrnehmung, Selbstfindung und Selbstwertgefühl.
- Unterstützung bei der Bewältigung von Alltag, Belastungen und Stresssituationen.
- Autogenes Training kann begleitend eingesetzt werden, um störende Faktoren zu reduzieren, die persönlicher Entwicklung oder Selbstheilungsprozessen entgegenstehen.
- Lockerung von Verspannungen der Muskulatur sowie vegetativ beeinflusster innerer Organe und Gefäße.
- Lösung und Verminderung psychischer Anspannung.

Geeignet bei
Meist unterstützend bei:
- psychosomatischen Krankheitsbildern, psychovegetativer Labilität und vegetativer Dystonie
- Angst- und Erregungszuständen, z. B. Prüfungsangst
- Suchtproblematik, z. B. Alkohol, Medikamente, Nikotin, Genussgifte oder zwanghaftes Essen
- Überforderungssyndromen und zur Stressbewältigung
- Müdigkeit
- Schlafstörungen
- koronarer Herzkrankheit sowie in der Rehabilitation nach Herzinfarkt
- Bluthochdruck
- funktionellen Herzrhythmusstörungen ohne Organstörung
- funktionellen Durchblutungsstörungen
- arterieller Verschlusskrankheit
- zur möglichen Medikamenteneinsparung bei chronischen Schmerzen
- Reizdarm und chronischer, insbesondere spastischer Verstopfung
- Magen-Darm-Störungen und Reizmagen (Dyspepsie)
- Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren
- Morbus Crohn und Colitis ulcerosa
- Allergien, Asthma bronchiale und Heuschnupfen
- Neurodermitis
- Impotenz, Ejaculatio praecox, Menstruationsbeschwerden und klimakterischen Beschwerden
- Schwangerschaftsbeschwerden und Geburtsvorbereitung
- Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) unterstützend
- See- und Reisekrankheit
- Stottern
- Zähneknirschen (Bruxismus)
- Weichteilrheumatismus und Fibromyalgie
- Neuralgien
Bitte halten Sie Rücksprache mit dem KNEIPP-Arzt.
Vorsicht bei / Nicht geeignet bei
Absolute Kontraindikationen:
- hochakuten Anfalls-, Angst- und Schmerzzuständen
- asozialem Verhalten
- Autismus
- Charakter- und Kernneurosen sowie Depersonalisationsphänomenen
- ausgeprägter Hysterie
- Kontaktunfähigkeit
- ausgeprägtem Narzissmus
- akuten Psychosen organischer Ursache, z. B. bei Hirntumoren oder schweren Hirnerkrankungen
- akuten Zwangsneurosen und Kontrollzwängen
- endogenen Depressionen
- Schizophrenie
- Paranoia
- Einschränkung der Intelligenz (Imbezilität)
Relative Kontraindikationen:
- Neigung zu zerebralen Krampfanfällen
- Debilität (leichte Intelligenzminderung)
- akuten reaktiven Depressionen und Krisensituationen
- Migräne
- latenter Psychose
- leichteren Zwangssyndromen
- frischem Herzinfarkt und dekompensierter Herzinsuffizienz; Organübungen nur durch eine im Autogenen Training erfahrene Person
- Zeitmangel
- fehlender Bereitschaft zur Eigeninitiative
Bitte beachten
- Bei Organübungen können gelegentlich Pulsbeschleunigung, Angstgefühle oder Kopfschmerzen auftreten. Bei den allgemeinen Übungen ist dies deutlich seltener zu erwarten.
- Sogenannte „Umstimmungskrisen“ können in etwa 7- bis 10-tägigen Perioden auftreten.
- Bei sehr hohen Erwartungen kann Enttäuschung entstehen, wenn die Wirkung nicht unmittelbar eintritt.
- Bei Kindern ist Autogenes Training etwa ab der Schulreife geeignet.